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Wenn Sie bei einem schweren Nutzfahrzeug beim Betätigen des Bremspedals feststellen, dass die Hinterachse "verzögert" reagiert, Sie einen Zeitversatz zwischen den Achsen spüren oder beim Lösen der Feststellbremse eine Verzögerung auftritt, gehört das Relaisventil zu den ersten Bauteilen, die überprüft werden sollten. In den pneumatischen Bremssystemen von Lkw, Sattelzugmaschinen, Anhängern und Bussen gewinnt dieses kleine, aber entscheidende Ventil die in langen Luftleitungen verlorene Zeit zurück und sorgt dafür, dass die Bremse "sofort" greift. Unter seiner in der deutschen Fachdokumentation gebräuchlichen Bezeichnung Relaisventil wird es in der Praxis häufig auch als "Beschleunigungsventil" oder "Achsventil" bezeichnet. Dieser Leitfaden fasst für Instandhalter schwerer Nutzfahrzeuge die Funktionsweise des Relaisventils, seine häufigsten Störungen, die korrekten Austauschschritte und die Prüfpunkte im Feld zusammen.
Das Relaisventil ist ein pneumatisches Steuerventil, das das Bremssignal nicht auf kurzem Weg zur entfernten Achse leitet, sondern schnell Luft aus dem großvolumigen Vorratsbehälter unmittelbar neben dem Ventil aufnimmt und wieder abgibt; dadurch verkürzt es die Zeit für den Aufbau und den Abbau des Bremsdrucks.
Das Funktionsprinzip beruht auf der Logik eines "Kraftverstärkers". Wenn der Fahrer das Bremspedal betätigt, gelangt das schwache Steuersignal mit geringer Durchflussmenge aus dem Hauptbremsventil (Fußbremsventil) nicht über die lange Luftleitung, sondern direkt an den Steuereingang (4/Steueranschluss) des Relaisventils. Dieser Steuerdruck drückt den Kolben im Ventil nach unten; der Kolben gibt daraufhin den Weg für die vollständig unter Druck stehende Luft aus dem Vorratsbehälter in die Bremszylinder frei. Beim Lösen des Pedals sinkt der Steuerdruck, der Kolben hebt sich, und die Luft in den Bremszylindern entweicht über die großvolumige Entlüftungsöffnung rasch in die Atmosphäre. Dadurch verringern sich sowohl die Anlege- als auch die Löseverzögerung erheblich.
Das Verhältnis zwischen Steuerdruck und Ausgangsdruck liegt in der Regel nahe bei 1:1; das Ventil erhöht also nicht den Druck, sondern die Durchflussmenge und die Reaktionsgeschwindigkeit. Aus diesem Grund ist das Relaisventil das Bauteil, das die "Reflexe" des Systems bestimmt.
Das Standard-Relaisventil arbeitet vollständig mechanisch-pneumatisch; es überträgt den Steuerdruck schnell auf den Ausgang. Das ABS-Relaisventil hingegen ergänzt diese Funktion um eine elektronische Steuerung: Wenn über das elektrische Signal des EBS/ABS-Moduls ein Blockieren der Räder erkannt wird, halten, senken oder erhöhen die Magnetventile im Ventil den Bremsdruck achs- oder radweise. Das ABS-Relaisventil übernimmt somit sowohl die Beschleunigungsfunktion des Relaisventils als auch die Druckmodulation für die Schlupfregelung. Solche Ventile werden in der EBS-Architektur häufig auch als Achsmodulatoren bezeichnet.
Das Relaisventil wird typischerweise an der vom Hauptbremsventil entfernten Achse — an der Sattelzugmaschine an der Hinterachse, auf der Anhänger-/Aufliegerseite nahe der Achsgruppe — so nah wie möglich an den Bremszylindern und am Vorratsbehälter montiert. Diese Nähe ist der Grund für seine Existenz: Je kürzer der Weg der Luft, desto schneller die Reaktion. Auch das in der Ansteuerung der Feststellbremse (Federspeicherzylinder) verwendete Federspeicher-Relaisventil und die Relaisventile in der Anhängersteuerung setzen dieselbe Beschleunigungslogik in unterschiedlichen Kreisen um.
| Anwendung / Segment | Beispielanwendung | Hervorstechendes Merkmal |
|---|---|---|
| Hinterachse Sattelzugmaschine (2-achsig) | Beschleunigung des Hauptbremskreises | Hoher Durchfluss, schnelle Entlüftung |
| Anhänger / Auflieger | Anhängerbremssteuerung | Option Vorspannung (Predominance) |
| Feststell- / Federspeicherbremskreis | Schnelle Entlüftung des Federspeicherzylinders | Typ Federspeicher-Relaisventil |
| Fahrzeug mit EBS/ABS-Ausstattung | Achsmodulation + Schlupfregelung | Magnetventil + elektronische Steuerung |
| Bus / Midibus | Ausgleich der Leitungsverzögerung bei langem Fahrgestell | Verteilung über mehrere Anschlüsse |
Störungen des Relaisventils beginnen meist mit dem Eindruck "die Bremse greift, aber irgendetwas stimmt nicht". Die folgende Tabelle fasst die im Feld am häufigsten auftretenden Symptome zusammen — mit möglichen Ursachen und Prüfmethoden.
| Symptom | Mögliche Ursache | Kontrolle / Überprüfung |
|---|---|---|
| Verzögertes Greifen der Bremse, Hinterachse setzt "verspätet" ein | Steuerkolben klemmt oder inneres Ventil öffnet langsam | Messen Sie mit dem Manometer den Zeitversatz zwischen Steuer- und Ausgangsdruck |
| Bremse löst nach dem Loslassen des Pedals verzögert, Rad erhitzt sich | Entlüftungsöffnung verstopft, Ventil kann nicht in die Entlüftungsstellung zurückkehren | Bauen Sie den Entlüftungsschalldämpfer aus und hören/beobachten Sie die Entlüftungsgeschwindigkeit |
| Ständiger Luftaustritt an der Entlüftungsöffnung | Einlassventil schließt nicht vollständig, O-Ring verschlissen | Prüfen Sie die Entlüftungsöffnung mit Seifenschaum (bei betätigter und gelöster Bremse) |
| Bremsungleichgewicht zwischen den Achsen, Fahrzeug zieht beim Bremsen | Falscher Ventiltyp, abweichendes Steuerverhältnis oder innere Leckage | Vergleichen Sie die Ausgangsdrücke beider Achsen gleichzeitig mit dem Manometer |
| ABS-Warnleuchte leuchtet / EBS-Fehler | Magnetventil oder elektrische Verbindung des ABS-Relaisventils gestört | Lesen Sie mit dem Diagnosegerät den Fehlercode des Modulators und den Magnetventilwiderstand aus |
| Bremsdruck niedriger als Sollwert, unzureichende Bremswirkung | Innere Leckage, eingeschränkter Vorratsanschluss oder Membranriss | Vergleichen Sie am Ausgangsanschluss mit dem Manometer bei voll betätigtem Pedal den Druck mit dem Vorratsdruck |
| Unregelmäßiger Betrieb durch Vereisung bei Kälte | Feuchtigkeit/Wasser im System, Eisbildung im Ventil | Prüfen Sie Lufttrockner und Behälterentwässerung; suchen Sie die Feuchtigkeitsquelle |
Die zuverlässigste Diagnose besteht darin, je ein Manometer an den Steuereingang und den Ausgangsanschluss anzuschließen und beim Betätigen des Pedals zu beobachten, ob beide Drücke gleichzeitig ansteigen. Bei einem einwandfreien Relaisventil sollte der Ausgangsdruck dem Steuerdruck mit sehr geringer Verzögerung und nahezu im Verhältnis 1:1 folgen. Eine deutliche Verzögerung, ein zu niedriger Ausgang oder ein langsames Abfallen des Ausgangs nach dem Loslassen des Pedals deuten auf das Ventil hin.
Bei gelöster Bremse wird an der Entlüftungsöffnung, bei betätigter Bremse an den Anschlussverbindungen mit Seifenschaum nach Leckagen gesucht. Ein ständiger Luftaustritt aus der Entlüftung bei betätigter Bremse zeigt, dass das innere Ventil (Einlassventil) nicht vollständig schließt. Eine Leckage vom Ausgangsanschluss zum Vorratsanschluss in gelöster Stellung weist auf ein Problem der inneren Dichtheit hin.
Beim ABS-Relaisventil werden zunächst mit dem Diagnosegerät die Fehlercodes des Modulators ausgelesen, die Widerstände der Magnetventilspulen und die Pin-Verbindungen des Steckers geprüft. Selbst wenn der mechanische Relaisteil intakt ist, kann eine elektrische Unterbrechung die gesamte ABS-Funktion der Achse außer Kraft setzen; daher sind die elektronische und die pneumatische Diagnose gemeinsam durchzuführen.
Die folgenden Werte sind typische / allgemeine Referenzbereiche für pneumatische Bremssysteme schwerer Nutzfahrzeuge. Sie variieren je nach Fahrzeug und Ventiltyp; für genaue Werte ist das OE-Servicehandbuch maßgeblich.
| Parameter | Typischer Referenzbereich | Anmerkung |
|---|---|---|
| Systembetriebsdruck | ~8–12,5 bar (≈116–181 psi) | Variiert je nach Fahrzeug und Kreis |
| Verhältnis Steuer- / Ausgangsdruck | ≈ 1:1 (bei einigen Typen mit Vorspannung) | Abhängig vom Ventiltyp |
| Öffnungsdruck (Crack) | ~0,1–0,4 bar Größenordnung | Je nach Vorspannoption |
| Zulässige innere Leckage | In der Praxis wird "null" angestrebt; messbare Leckage = Störung | Beim Seifentest dürfen keine anhaltenden Blasen auftreten |
| Betriebstemperaturbereich | ~ −40 °C bis +80 °C | Elastomer- und Gefriergrenze |
| Entlüftungsverhalten | Beim Loslassen des Pedals schlagartige und vollständige Entlüftung | Verzögerung = Ventil-/Entlüftungsproblem |
Auch die Anzugsdrehmomente variieren je nach Typ und Schraubengröße; die folgenden Werte sind nur allgemeine Richtwerte.
| Verbindung | Typischer Drehmomentbereich | Anmerkung |
|---|---|---|
| Gehäuse-/Halterungs-Befestigungsschraube (M8) | ~20–30 Nm | Stufenweise und über Kreuz anziehen |
| Gehäuse-/Halterungs-Befestigungsschraube (M10) | ~40–55 Nm | OE-Wert ist maßgeblich |
| Luftleitungsverschraubung | Nach Herstellerspezifikation | Nicht überdrehen; Gewinde nicht ausreißen |
Das Relaisventil ist zusammen mit einer einwandfrei arbeitenden Luftaufbereitung langlebig; sein eigentlicher Feind sind Feuchtigkeit, Öl und Schmutz. Eine Versorgung des Systems mit sauberer und trockener Luft verlängert die Lebensdauer der inneren Ventile und Elastomerelemente deutlich. Bei der periodischen Wartung sollte das Relaisventil nicht als isoliertes Bauteil, sondern als Teil des gesamten pneumatischen Kreises betrachtet werden.
Ein einwandfreies Relaisventil arbeitet in der Regel über die gesamte lange Betriebsdauer des Fahrzeugs störungsfrei; in feuchten Systemen, unter schweren Einsatzbedingungen oder bei vernachlässigter Wartung verkürzt sich jedoch die Lebensdauer. Ein rechtzeitiges Eingreifen bei Auftreten der Symptome schützt sowohl die Bremssicherheit als auch verhindert den durch ein Achsungleichgewicht verursachten Reifen- und Belagverschleiß.
Es sorgt dafür, dass der Bremsdruck schneller die entfernte Achse erreicht und beim Loslassen des Pedals schnell abgebaut wird. Indem es die Verzögerung in langen Luftleitungen beseitigt, stellt es sicher, dass die Bremse sofort greift und wieder löst.
Am häufigsten sind: verzögertes Greifen der Bremse, verzögertes Lösen der Bremse nach dem Loslassen des Pedals, ständiger Luftaustritt an der Entlüftungsöffnung, Bremsungleichgewicht zwischen den Achsen und beim ABS-Typ das Aufleuchten der Warnleuchte.
Das Standard-Relaisventil arbeitet vollständig pneumatisch und erfüllt nur die Beschleunigungsfunktion. Das ABS-Relaisventil hingegen moduliert mit elektronischen Magnetventilen den Bremsdruck und verhindert so das Blockieren der Räder; es übernimmt sowohl die Beschleunigung als auch die Schlupfregelung.
Auch wenn es für einige Typen Reparatursätze gibt, wird im Feld aus Gründen der Bremssicherheit — da es ein kritisches Bauteil ist — in der Regel ein kompletter Austausch empfohlen. Wird der Reparaturweg gewählt, müssen unbedingt ein Original-Reparatursatz und das OE-Verfahren verwendet werden.
Ein ständiger Luftaustritt aus der Entlüftung bei betätigter Bremse zeigt, dass das innere Ventil nicht vollständig schließt; dies führt sowohl zu Luftverlust als auch zu einer verminderten Bremsleistung. Bestätigt sich dies, muss das Ventil getauscht werden.
Ein Ventil mit abweichendem Steuerverhältnis oder Vorspannwert erzeugt ein Bremsungleichgewicht zwischen den Achsen; das Fahrzeug kann beim Bremsen ziehen, und der Belag- und Reifenverschleiß nimmt zu. Daher muss die Zuordnung unbedingt anhand der für das Fahrzeug passenden OE-Teilenummer erfolgen.
Die Relaisventil-Produkte von VADEN werden so konzipiert, dass sie mit den OE-Typen gängiger pneumatischer Systeme schwerer Nutzfahrzeuge (z. B. Knorr-Bremse, Wabco/ZF, Bendix-Typ/Äquivalent) funktional kompatibel sind. Für die richtige Zuordnung sind die Anschlussanordnung und die OE-Referenznummer zu prüfen.
In der Regel ist die Grundursache nicht das Ventil, sondern Feuchtigkeit, Wasser und Schmutz im System. Ein defekter oder gesättigter Lufttrockner, nicht entwässerte Behälter und verschmutzte Luft verschleißen das innere Ventil und die Dichtungen. Ein Austausch ohne Behebung der Grundursache hält nur kurz.
Das Relaisventil ist ein sicherheitskritisches Bauteil, das die Reaktionsgeschwindigkeit und das Achsgleichgewicht des Bremssystems eines schweren Nutzfahrzeugs unmittelbar bestimmt. Durch eine korrekte Diagnose, die richtige Typauswahl und eine sorgfältige Montage bleiben sowohl die Bremssicherheit als auch die Fahrzeugeffizienz erhalten. Die Produktfamilie VADEN ORIGINAL Relaisventil (+ ABS-Relaisventil) wird für Anwendungen in schweren Nutzfahrzeugen mit OE-kompatibler Anschlussanordnung, langlebigen Dichtelementen und einem konstanten Steuerverhältnis entwickelt; indem Sie die zu Ihrem Fahrzeug passende Referenz überprüfen, erzielen Sie eine sichere und langlebige Bremsleistung.